Mensch oder Tier trifft Vespa velutina nigrithorax- Gesundheitsgefährdung ?
Auswirkung auf den menschlichen Körper und auf Haustiere beim Kontakt mit Vespa velutina nigrithorax (Vvn)
Die Vvn ist grundsätzlich nicht aggressiv, solange man nicht in die Nähe des Nestes gerät. Dort jedoch kann es zu Verspritzen des Gifts auch ohne körperlichen Direktkontakt kommen oder direkt zu Stichen.
Mögliche negative Auswirkungen können entweder sofort eintreten, beispielsweise eine allergische Reaktion wie ein anaphylaktischer Schock oder auch erst zeitverzögert zwei Wochen später. Kontaktieren Sie eine Arztpraxis oder medizinisch entsprechend ausgebildetes Personal, bei Haustieren die Tierarztpraxis und eine Tierklinik.
Regulär kommt eine größere Menge von Vvn in Aufwallung, wenn sie sich am Nest gestört fühlen oder aufgeschreckt werden.
Nicht nur Schädlingsbekämpfer oder Nestentferner treffen auf Vvn, sondern auch Gärtner/innen, Imker/innen, Mitarbeiter/innen in der Landschaftspflege, Gartenbau und Friedhofspflege, Forst-/Waldarbeiter/innen, Dachdecker/innen und weitere Arbeitsgruppen, die sich an der für Vvn relevanten Struktur wie Strauchwerk, Bäumen, Baumalleen, Hausfassaden, Schuppen und Kleingartenstrukturen aufhalten. Oftmals ist das Treffen unerwartet für beide Seiten und die betroffenen Personen oder Haustiere tragen keinen Schutz.
Im Weiteren finden sich informative Verlinkungen zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheit:
- Riethmüller, Alexandra: Asiatische Hornisse – Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Landesanstalt für Bienenkunde, Hohenheim Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der zentralen Koordinierungsstelle für Vespa velutina. Stand: 05.12.2024, abgerufen 27.12.2024.
- Hornissenstiche während der Arbeit. In: Deutsches Bienenjournal. 13.08.2024, abgerufen am 27.12.204.
- Betriebsanweisung zu biogenen Stoffen, Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax). Informationen beispielhaft zusammengestellt von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) Stand 12/2024, abgerufen am 27.12.2027.
- Juan Rodríguez de Rivera: El misterio de la avispa asiática: por qué en Galicia es donde muere más gente por picadura de insecto.https://www.elespanol.com/ciencia/salud/20240812/misterio-avispa-asiatica-galicia-muere-gente-picadura-insecto/876912748_0.html In: El Español. 12.08.2024, abgerufen 27.12.2024.
Anmerkung: Ins Deutsche übersetzter Titel: Das Geheimnis der asiatischen Wespe: Warum in Galizien die meisten Menschen durch Insektenstiche sterben. - Galicien [Spanien]: problematisch auch für die menschliche Gesundheit. In: D.I.B. Aktuell. Infomagazin des Deutschen Imkerbundes e. V. Ausgabe 3/2023.
Zwei weitere interessante Studien:
MPDI – Asian Hornet, Vespa velutina Lepeletier 1836 (Hym.: Vespidae), Venom Obtention Based on an Electric Stimulation Protocol
MDPI – What WeKnowaboutSting-Related Deaths? Human Fatalities Caused by Hornet, Wasp and Bee Stings in Europe (1994–2016)
Es folgt ein Erfahrungsbericht von Joachim Wünn / Hornissenfachberater
„Zur Sammlung von Allergie – Geschichten kann ich auch zwei beitragen:
Fall 1: Ein Geschäftskollege ist an einer Hecke vorbeigelaufen, in der in rund 1m Höhe ein Primärnest versteckt war. Der Gehweg ging direkt an der Hecke entlang. Er wurde gestochen und hat direkt mit einer anaphylaktischen Reaktion reagiert. Er war rund 3 Stunden bei der Ambulanz, bekam Cortisoninfusion. Er wurde zum ersten Mal von einer Hornisse gestochen, aber in der Vergangenheit schon von Wespen.
Fall 2 – das war ich selbst. Ich wurde als Hornissenfachberater zur Begutachtung eines Nestes gerufen. Das war hinter einem Bretterstapel versteckt, von außen nicht sichtbar. Ich habe vorsichtig geklopft, da kamen einige Velutinas. Für die Meldung auf der App wollte ich ein Foto machen und bin auf ca. 2 m ran, da hat mich eine in die Augenbraue gestochen. Der Stich war deutlich weniger schmerzhaft als ein Bienenstich, aber schon nach wenigen Sekunden war klar, dass dieser Stich anders abläuft, als alle Bienen- oder Wespenstiche, die ich bislang bekommen habe. Der Kopf wurde heiß, Jucken und Ausschlag am ganzen Körper, Magen wie Sodbrennen. Da ich mitten auf dem Land war, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin Richtung Wohnort gefahren. Nach wenigen Minuten gingen dann auch die Atemwege zu, sodass ich die 112 gewählt habe. Nach ca. 15 Minuten dann RTW 2 Infusionen und Adrenalin vernebelt, Blaulichtfahrt in die Notaufnahme, Diagnose Anaphylaxie 3. Grades. Nach einer Nacht in der Notaufnahme war dann alles wieder gut, mittlerweile Hyposensibilisierung mit Wespengift. Man geht davon aus, dass die heftige Reaktion aufgrund vorheriger Sensibilisierung durch Wespengift erfolgt ist.
Was ich erschreckend fand: das Thema Vvn ist in der Medizin noch nicht angekommen ( zumindest nicht in der Uniklinik Heidelberg).
Die Desensibilisierung hat im November begonnen und geht jetzt mind. 5 Jahre mit 1 Injektion alle 6 Wochen. Seit der Anaphylaxie bin ich von keiner Wespe oder Hornisse mehr gestochen worden, nur von Bienen, die machen aber glücklicherweise keine Probleme.“
Anmerkung Miri Wahr:
„Die Vvn-Völker und ihr Benehmen sind genauso unterschiedlich wie Bienenvölker. Manche greifen schon bei 5m Abstand an, andere lassen eine Annäherung zu.“
Es folgen zwei Erfahrungsberichte von Gerhard Albert
Reaktion auf Stich der Vespa Velutina Oktober 2023 – Gerhard Albert
„Bei einer Nestsuche wurde eine Vvn mit einem Kescher gefangen. Dieser wurde auf einem Tisch abgelegt. Durch eine Unachtsamkeit drohte der Kescher vom Tisch zu fallen. Meine Frau wollte ihn auffangen und wurde dabei leicht in den Zeigefinger der rechten Hand gestochen. Dies ereignete sich ca. um 15:40 Uhr. Kurz danach begann sich die Hand rot zu färben und anzuschwellen.
Um ca. 17:15 Uhr hatte sich die Schwellung bis in den rechten Arm ausgebreitet und es begannen Herzrasen mit schnellem Puls, Schweißausbrüche, Juckreiz am ganzen Körper und die Ohren gingen zu.
Daraufhin fuhren wir ins nahe gelegene Krankenhaus.
Dort wurde meine Frau untersucht und erhielt eine Infusion mit Cortison. Nach Ende der Infusion blieben wir noch ca. 1 Stunde zur Beobachtung. Nachdem die akuten Symptome abgeklungen waren konnten, wir das Krankenhaus wieder verlassen.
Vor diesem Stich war keine Wespengiftallergie bekannt gewesen.
Seitdem reagiert sie auf Mückenstiche mit starker Schwellung um die Einstichstelle.“
Sicherheitshinweis
von Ilona Munique
Vvn hat einen etwa 7 mm langen Stachel und durchdringt normale Imker- und Schutzkleidung ohne Weiteres. Ihr Gift kann bis zu zwei Wochen später noch tödliche Auswirkungen haben, vor allem für allergisch reagierende Menschen. Schützen Sie sich und andere mit geeignetem Equipment, wenn Sie in die Nähe eines Nestes kommen oder es gar entfernen!