Vespa velutina nigrithorax – Saisonstart mit Macht – Königinnen finden und Verifizieren
Die Monate April und Mai bringen Vespa velutina nigrithorax (Vvn) in Schwung. Im Februar kam VVn aus der Winterstarre. Der Aufbau des Körpers nach der Winterpause für die neue Lebensphase begann im Laufe des März. Die Königinnen beginnen mit steigender Vitalität, sich für ihre Umgebung zu interessieren. Geschützte Plätze werden gesucht die Sonnenwärme aufnehmen, die Reifung zum Nestbau und dann zur Eilage findet statt – ihre gestarteten biologischen Abläufe setzt sie in Bewegung.
Im April sehen wir suchende VVn-Königinnen. Gartenboxen, Holzhäuser, Nistkästen, erdnahes Gestrüpp und ähnliches werden angeflogen und wenn es passt eingenommen. Im früheren Jahr werden Plätze angeflogen, an denen die Sonne beim Wärmen hilft, etwas später mit steigenden Temperaturen finden wir die Gründungsnestchen auch offen an Terrassendecken hängend, Fensterecken oder niedrigen Dachuntersichten. Die Königinnen benötigen Proteine (Pollen, tierische Eiweiße) und Kohlenhydrate, um sich aufzubauen. Wir sehen sie zwischen Futtersuche, Nistplatzsuche und schließlich im Bau am Gründungsnest. Oder sie liegt auf der Lauer.
https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina-lebensweise
Hier sind wir an der ersten Eingriffsgrenze, die im Bekämpfungsmanagement (siehe Massnahmenblatt*) von Vvn aufzuzeigen ist: das Abfangen der Vvn-Königinnen im zeitigen Frühjahr, spätestens April bis Mai.
Dazu gibt es mehrere Methoden:
1.) manuelles Abfangen an Futterstellen wie z.B. frühblühenden Sträuchern, Bienenständen, Monitoringtöpfe (Dochttopf)
2.) Fallen
Es gibt bis dato auf dem Markt keine „selektive Falle“, die ausschließlich Vvn abfängt.
Aus diesem Grund sind die üblichen Typen Fallen in Deutschland nicht gestattet, obwohl sie frei verkauft werden. In Deutschland sind Fallen nicht erlaubt, wohl aber in benachbarten Ländern – was jedes Jahr aufs neue zu Diskussionen führt.
3.) Nestbeseitigung – Nestsuche, und wenn es gefunden oder sogar gemeldet wird, das Thema der Usurpation **. Anschließend erfolgt die sachgerechte Tilgung durch Fachkräfte wie im Managementplan vorgesehen.
Siehe hierzu auch die Empfehlungen von der Uni Hohenheim und z.B. in NRW dem Lanuk.
Handlungsempfehlung Universität Hohenheim April / Mai
https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina-handlungsempfehlung#jfmulticontent_c615717-2
https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina-handlungsempfehlung#jfmulticontent_c615717-3
Massnahmen LANUK-NRW
https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/arten/tiere/190771/massnahmen
Es gibt dabei einiges zu beachten
Eine Abtötung von Nicht-Zieltierarten ist auszuschließen und unverzeihlich.
Kein Nest sollte ungeprüft auf Verdacht heruntergerissen werden. Ist ein Nest gefunden, ist es üblich, ein Foto zu machen, idealer Weise mit ansitzendem Tier, und das Foto einer fachkundigen Stelle zur Verifizierung zur Verfügung zu stellen. Erst dann folgen weitere Schritte.
Der Schaden an Nicht-Zieltierarten durch unbedachte Handlungen greift in die Biodiversität ein.
Vvn ist eine invasive Art nach Unionsliste, das bedeutet Auffinden und Tilgung sind zu dokumentieren bei den entsprechenden Stellen.
Vor Eingriff an Tier oder Nest ist die Verifizierung geschaltet, das bedeutet Fachkundige / Sachkundige bestätigen die Zieltierart.
Eine Tilgung ist erst dann erfolgreich, wenn das reproduktionsfähige Tier entnommen und den Vorgaben entsprechend abgetötet wurde.
Eine Sonderstellung nimmt hierbei das Thema Usurpation ** ein
Wir gehen davon aus, das sich mehr Vvn-Königinnen im Umfeld befinden. Nicht jede baut ein eigenes Nest sondern äugt auf das Nest anderer und versucht, das zu übernehmen – Königinnenkämpfe mit tödlichem Ausgang. Eine natürliche Reduktion unter Hornissen.
Es lohnt sich, vor Ort die Beobachtung zu machen, ob Usurpation einsetzt oder nicht.
Werft dazu gerne einen Blick in unseren Fachartikel mit Erklärung und Bebilderung, siehe bitte
https://velutina-army.de/?s=Usurpation
Wir haben in diesem Jahr 2026 verschiedene Verhaltensweisen beobachten können, die interessant sind und beim Frühjahrsmonitoring helfen.
Einige Beseitiger fingen am Gründungsnest die ansitzenden Vvn-Königin ab und ließen das Nestchen hängen. In durchaus vielen Fällen stellte sich eine neue Interessentin ein und konnten dann im Weiteren abgefangen werden, auch mehrfach.
In manchen Fällen baute eine weitere Königin 50 cm daneben ein neues Nest.
Es lohnt sich also durchaus, gefundene Nistplätze weiter im Auge zu behalten. Sie könne sich zu einem sicheren Anlandehafen für Suchende entwickeln.
Und da Vespa velutina nigrithorax hier wieder einmal mehr als variabel ist, kann sich diese Phase je nach Lage bis in den Mai spannen.
* Link zum Massnahmenblatt
https://mediathek.naturschutzinformationen.nrw.de/mediathek/files/25/83/11/26/98191a645de1f5477fb709959f6b163d84fdb677.pdf
