Nest-Usurpation bei Vespa velutina nigrithorax: Königinnen-Kämpfe im Frühjahr und ihre Bedeutung für das Invasions-Management

Diskussions-Beitrag von Kurt P.,

25. Dezember 2025
gekürzt und überarbeitet am 05. Februar 2026

Fotos Vespa velutina nigrithorax und Video von Wolfgang Buchholz, 2025

Immer wieder wird danach gefragt: was ist Nestusurpation und warum wird sie als möglicher Teil einer Managementstrategie für Vespa velutina nigrithorax angesehen. Hier folgt ein Diskussionsbeitrag,der die Strategie und den Sinn dahinter beleuchtet.

Nest-Usurpation – die gewaltsame Übernahme fremder Nester durch Hornissen-Königinnen – ist bei praktisch allen Hornissen-Spezies ein übliches Verhaltensmuster und auch bei vielen Wespen-Arten. Dieses zeigt sich nicht nur innerhalb einer Art oder Unter-Art, sondern auch zwischen verschiedenen Arten. Zwei Hornissen-Arten in Taiwan und Japan, Vespa basalis und Vespa dybowskii, scheinen sich sogar geradezu auf die Eroberung von Vespa velutina-Nestern spezialisiert zu haben [Lu et al. und Sakagami et al.].

Damit stellen Usurpationen einen bedeutsamen Mortalitäts- und Selektionsfaktor dar. Diesen unterschätzt man meiner Meinung nach bisher in der praktischen Bekämpfung der Asiatischen Hornisse. Da bei Vespa crabro bis zu 11 tote Königinnen unter einem einzigen umkämpften Nest dokumentiert sind, überlegen sich manche Velutina-Nest-Bekämpfer bereits neu zu erprobende Strategien:

  • Docht-Töpfe bereits im frühesten Frühjahr verwenden, um mittels Markierung besuchender Velutina-Königinnen deren Gründungsnester in der Umgebung frühzeitig aufzuspüren.
  • Zufällig entdeckte oder gezielt aufgespürte Gründungs- und Primärnester der Velutina bewusst bis Mitte Mai (oder bis zum Schlupf der ersten Arbeiterinnen) belassen, um die natürliche Dezimierung durch Usurpations-Kämpfe zu nutzen.
©:Kurt P. 2026

Wo man Gründungsnester findet…

Das kritische Zeitfenster der Gründungs-Phase

Die Vulnerabilität eines Hornissen-Nests für Usurpationen hängt direkt vom Entwicklungsstand der Kolonie ab. Bei der Europäischen Hornisse beginnt die Gründungsphase ab etwa Ende April, wenn überwinterte Königinnen nach dem Verlassen ihrer Winterquartiere den Aufbau beginnen. Velutinas starten – je nach lokalem Klima – erheblich früher, häufig bereits im März. Die Entwicklungszeit vom Ei bis zur schlüpfenden Arbeiterin beträgt 40 bis 50 Tage. Dieser Zeitraum definiert das kritische Fenster für die Königinnen, in dem die Nester praktisch schutzlos sind.

Die kritische Phase gliedert sich in zwei Abschnitte:

  1. Die solitäre Phase. Die Königin arbeitet noch völlig alleine. Das Nest bleibt bei Nahrungs-Suche, Baumaterial-Beschaffung, Wasser-Sammlung unbewacht. Die Königin fliegt unablässig vom Nest weg und wieder zurück. Zwischendurch legt sie sich oben auf das Nest und wärmt ihre Brut.
  2. Die kooperative Phase. Die ersten Arbeiterinnen sind geschlüpft. Aber es sind noch zu wenige, um eine effektive Verteidigung zu gewährleisten. Anfangs fliegt die Königin ebenfalls noch aus, verbleibt jedoch später im Nest, um sich auf die verstärkte Ei-Ablage zu konzentrieren.

Genetische Studien [von Foster et al. (1999)] wiesen in 14% aller untersuchten V. crabro-Kolonien doppelte Matri-Linien nach (d.h. mindestens zwei verschiedene Mütter der Arbeiterinnen). Dies sind indirekte Belege zuvor erfolgter siegreicher Usurpationen. Zitat aus dieser Studie: “The genetic data also revealed diploid males in one colony, the first example in the vespine wasps, and two colonies with double matrilines, suggesting that occasional usurpation by spring queens occurs.”

Bei der verwandten Art Vespa analis lag der Wert für multiple Matri-Linien sogar bei 30% (6 von 20 Kolonien) [Takahashi et al. (2004)].

Bei Vespa velutina beginnt, je nach lokalem Mikro-Klima, die Nestgründung bereits am Ende Februar/Anfang März. Der Bau von Embryonal-Nestern erfolgt meist in 1-3 Meter Höhe. Das ist in eine Sichthöhe, die jedermann sehr gut im Blickfeld hat, vor allem wenn man auch den Flugweg gesichteter Tiere verfolgt. Die ersten Arbeiterinnen erscheinen dann ab Ende April oder Anfang Mai. Ab Juni – wenn ca. 70% der Kolonien mit dem Bau von Sekundärnestern zum Beispiel in Baumkronen beginnen – ist das vulnerable Zeitfenster praktisch zu Ende.

Verhaltensbiologie der Königinnen-Kämpfe

Detaillierte Feldbeobachtungen, berichtet auf der Website hornissen.de, dokumentieren den typischen Ablauf einer Usurpation bei Vespa crabro: Eine fremde Königin nähert sich einem bestehenden Nest zunächst vorsichtig und zeigt unsicheres, ängstliches Verhalten. Bei Erscheinen der Besitzerin flieht sie, kehrt jedoch wiederholt zurück. Mit jeder Annäherung agiert die Usurpatorin zunehmend aggressiver und mutiger, bis sie sich schließlich am Flugloch postiert oder ins Nestinnere eindringt.

Der folgende Kampf verläuft mit tödlicher Konsequenz. Stefan Dehren dokumentierte 2007 einen Usurpationsversuch fotografisch: Nach 2-3 Minuten Kampf verlor die unterlegene Königin ein Bein. Die Siegerin – erkennbar daran, dass sie direkt zum Nest krabbelte – war die ursprüngliche Besitzerin.

Besonders bemerkenswert: An diesem Nest starben innerhalb weniger Wochen 11 Königinnen durch Usurpationsversuche. Dirk Niermann beobachtete, dass Angriffe bevorzugt nachts oder in den frühen Morgenstunden stattfinden – „fast wie generalstabsmäßig geplant”.

Ein tragisches Szenario tritt ein, wenn die Usurpatorin die Besitzerin tötet, dann aber selbst von deren Arbeiterinnen abgestochen wird – es entsteht ein verwaistes, drohnenbrütiges Nest ohne Zukunft. Sobald ein Volk jedoch ausreichend Arbeiterinnen besitzt, haben Angreiferinnen praktisch keine Chance mehr. In einem dokumentierten Fall postierte das Volk nach mehreren Überfällen 2-3 Wächterinnen permanent am Flugloch.

Hier findet Ihr ein Video von einem Fremd-Königinnen-Besuch:
https://velutina-army.de/wp-content/uploads/2026/02/WBuchholz.mov

Die „50-Tage-Strategie” für Vespa velutina-Primärnester

Eine auf den ersten Blick zwar kontraintuitive, aber biologisch fundierte Strategie lässt sich aus diesen Beobachtungen ableiten und auf Gründungs-Nester der Velutina übertragen:

  • Gründungs-Nester nicht vor Mitte Mai entfernen (bzw. nicht vor Erscheinen der ersten Arbeiterinnen, frühestens ca. 50 Tage nach Beginn des Nestbaus)
  • Aktive Suche nach solchen Nestern mittels Docht-Töpfen können bereits ab Februar lohnen

Weshalb entdeckte Nester nicht sofort beseitigen? “Was weg ist, ist weg!”, könnte man sagen, “Jedes beseitigte Anfangsnest wird schon kein großes Sekundärnest mehr, oder?”

Argumente PRO “erstmal hängenlassen!”:

  • Velutina-Laien müssen sich per Beweisfotos von ansitzenden Tieren bei Experten rückversichern, damit sie keine geschützte Art aufs Korn nehmen!
  • Jedes uns bekannte Nestchen können wir weiter beobachten
  • Wir können dokumentieren, was damit geschieht (Notizen, Aufschriebe, Fotos, Film-Clips)
  • Es dient als Lockstation für weitere Nest-Gründerinnen
  • Die Nestgründerinnen murksen sich dann idealerweise gegenseitig ab
  • Jedes beseitigte Nestchen lässt die draußen immer noch fliegenden Gründerinnen dann an einem uns unbekannten oder vielleicht erst Monate später zufällig gefundenen Ort bauen

Argumente PRO “mit Locktöpfen Königinnen suchen!”:

  • Jedes im Februar/März/April angelockte Hornissen-Tier ist mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Königin
  • Ihr Gründungs-Nest befindet sich in allernächstem Umkreis, oft weniger als 100 Meter entfernt
  • Wir könnten sie auch töten (dann baut sie schon kein “großes” Nest mehr – aber das wäre kurzsichtig und dumm denn sie könnten noch anders genutzt werden
  • Wir könnten sie markieren, um zu sehen, ob und wie häufig sie zurückkommt
  • Markierte Tiere lassen sich leichter verfolgen, um ihr Nest aufzuspüren
  • Ein aufgespürtes Nest können wir weiter beobachten und zu gegebener Zeit beseitigen
  • Bei Beobachtung aufgespürter Nester können wir Feststellungen zur Häufigkeit von Usurpations-Kämpfen treffen
  • Diese „Kämpfe auf Leben und Tod“ führen zu natürlicher Dezimierung der Velutina.


Lieber bereits bekannte Nester beobachten, als den Bau neuer Nester an unbekannten Orten riskieren

Für jedes durch uns beobachtete Einzeltier müssen wir davon ausgehen, dass 10 weitere da draußen rumfliegen, die wir nicht sehen. Lassen wir es leben und spüren ihr Nest auf, haben wir die Chance, ein paar weitere Tiere aufzuspüren, die dieses Nest anlockt und die wir dadurch ebenfalls weiter im Blick halten können.

Diese Strategie nutzt die biologische Tatsache, dass zu den auf Usurpation zielenden Königinnen häufig auch solche gehören, deren eigenes Nest zuvor zerstört wurde oder die verspätet aus der Winterruhe erwachten.

Von Crabro-Beobachtungen auf Velutina-Möglichkeiten schließen

Wissenschaftler konnten experimentell nachweisen, dass ein als Köder verwendetes Embryonal-Nest der Vespa vulgaris innerhalb von nur 5,5 Wochen 56 Wespenköniginnen anlockte [Quelle: hornissen.de, leider ohne näheren Angaben].

Dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man diese weiteren empirischen Tatsachen betrachtet:

  • Crabro-Nester-Dichte beträgt etwa 3 Nester pro Quadratkilometer
  • Velutina-Nester erreichen trotz Bekämpfung 17 Nester und mehr pro Quadratkilometer
  • Ein Crabro-Nest entlässt im Herbst zwischen 150 und 250 Jungköniginnen
  • Ein Velutina-Nest produziert zwischen 300 und 500 Jungköniginnen
  • Velutinas scheinen ein höheres Maß an Frost-Resistenz zu haben als Crabros
  • Ergo: die Königinnen-Dichte von Velutinas im Umkreis durchgelaufener Nester ist im Februar höher als die Königinnen-Dichte von Crabros im April.

Bei Crabros sind bereits 11 bei Eroberungs-Kämpfen getötete Königinnen unter einem einzigen Gründungsnest nachgewiesen. Das mag zwar ein einsamer Rekord sein… Aber bei “unseren” Velutinas mit ihrer weit höheren Königinnen-Dichte in befallenen Gebieten dürfte dieser Effekt dennoch verstärkt auftreten.

  • Vorteile der verzögerten Entfernung: Natürliche Populationsreduktion, mehrere Königinnen werden durch ein Nest eliminiert, keine zusätzlichen Ressourcen für Bekämpfung nötig
  • Risiken: Das Nest könnte erfolgreich werden und ein Sekundärnest in schwer zugänglicher Baumkrone etablieren
  • Empfohlenes Timing: Entfernung nach der Hauptusurpationsphase (ab Mitte Mai), aber vor dem Bau des Sekundärnests (typischerweise ab Juli)**

Die praktische Umsetzung ist unkompliziert: Primärnester befinden sich meist unter 3 Meter Höhe und können per Hand entfernt werden. Ein Tipp aus der Praxis: Rasierschaum zum temporären Verschließen des Fluglochs nutzen, dann das Nest vorsichtig abnehmen und für mindestens 72 Stunden einfrieren

Bei der Entfernung des Nestes sind natürlich ein paar Dinge zu beachten:

  1. Man muss immer die den Sachkundigen wohlbekannten Sicherheitsvorkehrungen beachten!
  2. Die Königin muss im Nest sitzen! Sonst kommt sie nach Nestabnahme vom Flug zurück, findet ihr Nest nicht mehr und baut kurzerhand ein neues Nest – jedoch anderswo, und Ihr findet das nicht mehr!
  3. Falls die Übergangsphase Mai/Juni bereits begonnen hat, wo der Kolonie ihr Primärnest bereits zu eng zu werden beginnt, muss man unbedingt vor Nestabnahme prüfen, ob nicht bereits Pendelverkehr zu einem zweiten im Bau befindlichen Nest (Sekundärnest) zu beobachten ist. Die Königin pendelt dann ebenfalls und legt zeitweilig Eier in beide Nester, zum Schluss jedoch nur noch im Sekundärnest. Also: unter allen Umständen sicherstellen, das man jedes Primärnest mitsamt Königin beseitigt! **

Empfohlene Zusatz-Option: Aktive Suche mit Docht-Töpfen nach Gründungs-Nestern

Um sich nicht auf reine Zufalls-Funde verlassen zu müssen, könnte man dem Jäger-Glück aktiv auf die Sprünge helfen: durch Suche nach Nestern mittels Docht-Töpfen. Die bekannte Methode zum Auffinden großer Sekundärnester im Sommer und Herbst lässt sich leicht auf die Frühjahrssuche abwandeln. Statt Arbeiterinnen markiert und verfolgt man junge Königinnen. Da die Nest-Gründerinnen unter starkem Zeitdruck stehen, können sie sich kilometerlange Ausflüge zur Beschaffung von Baumaterial und Nahrung für ihr Nestchen einfach nicht leisten. Wahrscheinlich befindet sich ihre Homebase weniger als 200 Meter vom Locktopf, was die Nest-Suche in vielen Fällen erheblich vereinfacht.

Tiere werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Auftanken an die Docht-Töpfe zurückkehren, wenn sie dort zuverlässig ihren Bedarf decken können. Unterschiedliche Markierungen helfen, sie auseinanderzuhalten. Findet man das Nest einer Besucherin partout gar nicht, bleibt immer noch die einstweilige Notlösung: ihre Eliminierung, selbst ohne Nestfund.

Wissenschaftliche Evidenz zur Usurpationshäufigkeit

Genetische Analysen liefern die solidesten Daten zur tatsächlichen Usurpationsrate. Bei Polistes-Wespen – einer verwandten Gruppe mit besser dokumentiertem Usurpationsverhalten – betrug die Usurpationswahrscheinlichkeit während der Prä-Emergenz-Phase 11-23%. Entscheidend: Bei Einzelgründerinnen war Usurpation mit 19,6% eine signifikante Quelle des Nestverlustes, während Mehrfachgründerinnen (Pleometrosis) nur 2,2% Verlust zeigten.

Mattila et al. (2023) bestätigten in einer aktuellen Studie: „The infrequent detection of double matrilines in temperate V. crabro colonies has been attributed to spring nest usurpation, when a founding queen is displaced by another queen as she establishes her first generation of workers.” Die Usurpationsversuche bei V. crabro lassen sich in Deutschland vor allem in der letzten Juni- und ersten Julihälfte beobachten. Zu diesem Zeitpunkt verfügt der Großteil der Völker bereits über einige Arbeiterinnen oder wenigstens gedeckelte Zellen. Die Auseinandersetzungen sind umso intensiver, je mehr Königinnen im Frühjahr in einem Gebiet auftreten. Das gegenseitige Töten der Gründer-Königinnen stellt also einen selbstregulierender Populations-Mechanismus dar.

Praxisempfehlungen für das Vespa velutina-Management 2026

Basierend auf den Erkenntnissen zur Usurpations-Biologie und den Erfahrungen aus deutschen Bekämpfungs-Programmen ergeben sich differenzierte Strategien:

  • Für früh entdeckte Primärnester (März-April) gilt: Standort dokumentieren und Nest unter Beobachtung halten, aber nicht sofort entfernen. Die natürliche Usurpationsphase abwarten. Ein einzelnes überwachtes Nest kann als „Falle” für weitere Gründerinnen fungieren. Die Entfernung sollte ab Mitte Mai erfolgen, definitiv jedoch vor dem Umzug ins Sekundärnest (typischerweise Juli).
    (** siehe Anmerkung oben bzgl. Nester Mai/Juni)
  • Bei später entdeckten Nestern (ab Juni) ist schnelles Handeln geboten: Sofortige Entfernung vor Etablierung des Sekundärnests. Ab diesem Zeitpunkt überwiegen selbstverständlich die Risiken und Nachteile für jede Verzögerung einer Bekämpfung.

Fazit: Usurpation als unterschätzte Stellschraube

Die Nest-Usurpation bei Hornissen ist weit mehr als eine entomologische Kuriosität – sie repräsentiert einen evolutionär etablierten Selbstregulierungs-Mechanismus von Wespenpopulationen.

Es ist klar, dass es uns nicht genügt, falls diese natürliche Selbstregulierung die Velutina-Dichte in Europa erst bei 20 bis 30 Nestern pro Quadratkilometer einpendeln würde.

Für das Management der invasiven Vespa velutina eröffnet dieses Wissen trotzdem einen pragmatischen Ansatz: Die bewusste Nutzung der Usurpationsphase im Frühjahr steigert die Bekämpfungseffizienz: denn ein überwachtes Primärnest fungiert als „biologische Falle” für mehrere Königinnen. Es hilft uns zugleich, der Selbstregulation aktiv etwas nachzuhelfen.

Die dokumentierten Feldbeobachtungen – bis zu 11 tote Königinnen unter einem einzigen Nest – verdeutlichen das Potenzial dieser Strategie. Die optimale Timing-Empfehlung für 2026 lautet daher:

  • Primärnester im März/April lokalisieren,
  • bis Mitte Mai unter Beobachtung halten und dokumentieren,
  • dann konsequent noch vor dem Sekundärnest-Bau entfernen.
    (** siehe Anmerkung oben bzgl. Nester Mai/Juni)

Dieser Ansatz verbindet ökologisches Verständnis mit praktischer Bekämpfungseffizienz und könnte ein wichtiger Baustein im integrierten Vespa velutina-Management werden.

Anmerkung zur Quellenlage

Die wissenschaftliche Literatur zu intraspezifischen Usurpationen bei Vespa velutina ist überraschend dünn. Nur eine einzige Studie [Rome et al. 2015] dokumentiert das Phänomen direkt, ohne jedoch quantitative Daten zu liefern. Die meisten Erkenntnisse über Usurpations-Mechanismen stammen aus der gut erforschten Polistes-Literatur und Feldbeobachtungen bei V. crabro.

Diese lassen sich vermutlich fast 1:1 auf V. velutina übertragen. Dies unterstreicht einen erheblichen Forschungsbedarf, besonders angesichts der hohen praktischen Relevanz für das invasive Artenmanagement.

Jeder Unterstützer der Velutina-Army kann zu dieser Forschung beitragen: einfach alle diesbezüglichen Beobachtungen aufschreiben und wenn möglich fotografieren, mit allen Details (inkl. Datum, Uhrzeit), und mit der Army teilen.

©:Kurt P. 2026

Erwähnte Quellen

Foster et al. (Payware!)

  • Original-Titel: Do hornets have zombie workers?
  • (Deutsche Übersetzung): Gibt es Zombie-Arbeiterinnen bei Hornissen?
  • Jahr: 2000
  • Autor(en): Foster, Kevin R.; Ratnieks, Francis L.W.; Raybould, Alan F.
  • DOI-URL: https://doi.org/10.1046/j.1365-294x.2000.00920.x

Lu et al.

  • Original-Titel: Evidence of nest usurpation of Vespa velutina in the founding stage by V. basalis reveals it as a facultative social parasite (Hymenoptera, Vespidae)
  • (Deutsche Übersetzung): Evidenz für Nesturpation von Vespa velutina in der Gründungsphase durch V. basalis enthüllt diese als fakultativen Sozialparasiten
  • Jahr: 2025
  • Autor(en): Lu, Sheng-Shan; Hu, Yi-Hsiu; Shiao, Man-Tin; Sung, I-Hsin
  • DOI-URL: https://doi.org/10.3897/jhr.98.162472

Mattila et al.

  • Original-Titel: Biology of the southern giant hornet, Vespa soror: nest architecture, morphological differences among castes, and the genetic structure of colonies
  • (Deutsche Übersetzung): Biologie der südlichen Riesenhornisse, Vespa soror: Nestarchitektur, morphologische Unterschiede zwischen Kasten und genetische Struktur der Kolonien
  • Jahr: 2023
  • Autor(en): Mattila, Heather R.; de Souza, Felipe S.; Hrncir, Michael; Koedam, Dirk; Imperatriz-Fonseca, Vera Lucia
  • DOI-URL: https://doi.org/10.3389/finsc.2023.1136297

Rome et al.

  • Original-Titel: Caste differentiation and seasonal changes in Vespa velutina (Hym.: Vespidae) colonies in its introduced range
  • (Deutsche Übersetzung): Kastendifferenzierung und saisonale Veränderungen in Vespa velutina-Kolonien in ihrem eingeführten Verbreitungsgebiet
  • Jahr: 2015
  • Autor(en): Rome, Quentin; Muller, Franck J.; Touret-Alby, Adrien; Darrouzet, Eric; Perrard, Adrien; Villemant, Claire
  • DOI-URL: https://doi.org/10.1111/jen.12210

Sakagami et al. (Payware!)

  • Original-Titel: Vespa dybowskii André as a facultative temporary social parasite
  • (Deutsche Übersetzung): Vespa dybowskii André als fakultativer temporärer Sozialparasit
  • Jahr: 1957
  • Autor(en): Sakagami, Shoichi F.; Fukushima, K.
  • DOI-URL: https://doi.org/10.1007/BF02226244

Takahashi et al.

  • Original-Titel: Mating frequency and genetic relatedness of workers in the hornet Vespa analis (Hymenoptera: Vespidae)
  • (Deutsche Übersetzung): Paarungshäufigkeit und genetische Verwandtschaft von Arbeiterinnen bei der Hornisse Vespa analis
  • Jahr: 2004
  • Autor(en): Takahashi, Jun-ichi; Akimoto, Shin-ichi; Hasegawa, Eisuke; Nakamura, Jin (2004)
  • DOI-URL: https://doi.org/10.1046/j.1343-8786.2003.00018.x

Webseite “hornissen.de”

  • Original-Titel: Usurpation und Adoption fremder Nester durch Hornissenköniginnen
  • Autor(en): Thomas Rickinger
  • Jahr: 1998-2026, zuletzt aktualisiert am 12.01.2026
  • URL: hornissen.de/usurpation.htm