Vespa velutina nigrithorax: per Anhalter durch die Welt
Seit Jahrzehnten ist, bedingt durch den zunehmenden globalen Handel, eine stark ansteigende Ausbreitung zahlreicher Pflanzen- und Tierarten weltweit zu verzeichnen. Die Verbreitung der Arten erfolgt zumeist durch „menschliche Bewegung“. Es gibt Beispiele, die verdeutlichen, dass menschliche Bewegung schon in der weit zurückreichenden Vergangenheit einen nachhaltigen Einfluss auf die Verbreitung von Tierarten hatte. Ein sehr frühes Beispiel ist die Verschleppung von Hunden und Ratten nach Neuseeland um 1300. Die älteste dokumentierte Invasion einer Tierart ist die Verbreitung europäischer Kaninchen auf den Balearen im 1. Jh. vor Chr.
Aus der Gruppe der Hautflügler sind zahlreiche Arten als Invasoren bekannt. Besonders aus der Gruppe der Faltenwespen (Vespidae) sind 34 Arten bekannt, die durch menschlichen Handel verschleppt wurden. 7 der besonders invasiven Arten sind „eusozial“ (besondere Form des Sozialverhaltens innerhalb einer Gruppe). Als Beispiele sind hier die Verbreitung der Vespa vulgaris in Neuseeland zu nennen, oder Vespa pensylvanica, die in den 70iger Jahren auf Hawai durch die Einschiffung von Weihnachtsbäumen eintraf.
Die Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax ist sehr wahrscheinlich bereits im im Jahr 2003 in Europa angekommen. Ein Bonsai- Züchter aus Sainte- Livrade-sur- Lot (Départment Lot- et- Garonne) in Frankreich bemerkte im Sommer 2004 „auffallend dunkle“ Hornissen. Er erkannte die Art, die ihm auf einer Reise nach China aufgefallen war, wieder. Im Herbst 2004 entdeckte er nach dem Laubfall zwei kugelförmige Nester in Bäumen seiner Nachbarschaft und zerstörte sie mit einer Schrotflinte. Als er sie 2005 wieder fliegen sah, fing er ein Exemplar ein und schickte es 2006 an einen Spezialisten, der die Identifizierung bestätigte. Laut dem Bonsai-Produzenten könnte diese Asiatische Hornisse in den Kisten mit chinesischer Keramik eingeschleppt worden sein, die er seit mehreren Jahren regelmäßig aus Yunnan importierte. Da der Schiffstransport nur einen Monat dauerte, wäre das Überleben der befruchteten Weibchen in den Kisten problemlos möglich gewesen, wenn die Verschiffung während der Winterperiode erfolgt wäre. (aus: Villemant et al. 2006)
„Angesichts der potenziell hohen Kosten, die mit der Invasion der Gelbbeinhornisse für Waren und Dienstleistungen verbunden sind, und angesichts der Schwierigkeiten und Kosten, die ihre Bekämpfung nach einer erfolgreichen Etablierung mit sich bringen kann, dürfte die Verhinderung der Einführung der Art in neue Länder wahrscheinlich weniger kostspielig sein. Wir empfehlen daher, Überwachungsbemühungen auf Gebiete auszurichten, die als klimatisch geeignet eingeschätzt werden, insbesondere auf Inseln wie Großbritannien und Japan (Robinet et al. 2016). Wenn die Gelbbeinhornisse in Großbritannien tatsächlich nur ein paar Mal beobachtet wurde, ist eine schnelle landesweite Kolonisierung sogar von einem einzigen invasiven Standort aus möglich (Keeling et al. 2017), und die Bekämpfung wäre weniger kosteneffektiv als die Invasionsprävention für andere Regionen des Landes…
…Darüber hinaus wurden in der Nähe von Frachtbereichen von Bahnhöfen, Häfen und Flughäfen verschiedene Nachweise in neuen Gebieten durchgeführt (z. Güterbahnhof in einem nördlichen Vorort von Paris im Jahr 2009 und Flughafen im Jahr 2011, in der Nähe des Hafens von Viana do Castelo, Portugal im Jahr 2011, Hafen von Burela in Galicien, Spanien 2012, in der Nähe des Hafens von Bristol, Großbritannien im Jahr 2016), was darauf schließen lässt, dass der kommerzielle Transport auch eine bedeutende Rolle bei der Fernverbreitung und vor allem bei der Schaffung neuer Verbreitungsgebiete spielt und seine Auswirkungen auf die Verbreitung der invasiven Hornisse nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Überwachungsbemühungen sollten sich daher stark auf Kreuzungspunkte für kommerziellen und menschlichen Transport konzentrieren. Andere Länder wie die USA, Australien, die Türkei und Argentinien scheinen klimatisch für die Art geeignet zu sein, auch wenn die Gelbbeinhornisse dort noch nicht beobachtet wurde. Angesichts ihrer Entfernung zum ursprünglichen und derzeit invasiven Verbreitungsgebiet der Art ist es unwahrscheinlich, dass sich die Art in diesen Ländern von selbst ausbreitet.“ (Salle 2020)
Anmerkung der Redaktion: aus persönlichen Gesprächen mit türkischen Imkern ist bekannt, dass Vvn in dem Gebiet um Troya (Tevfikiye) seit 2023 auftritt. Auch in den USA (Savannah/ Georgia) ist Vvn seit 2023 gemeldet. Über Vorkommen in Australien und Argentinien liegen noch keine Daten vor.
- Claire Villemant et al.: Premier bilan de l’invasion de Vespa velutina Lepeletier en France (Hymenoptera, Vespidae). Bulletin de la Société entomologique de France. 2006. S. 535-538.
- Christelle Robinet et al. 2016: Rapid spread of the invasive yellow-legged hornet in France: The role of human-mediated dispersal and the effects of control measures
- Jean- Michelle Salle (2020): The economic cost of control oft he invasive yellow-legged Asian hornet, https://www.researchgate.net
- Keeling MJ, Franklin DN, Datta S, Brown MA, Budge GE (2017): Predicting the spread of the Asian hornet (Vespa velutina) following its incursion into Great Britain. Scientific Reports 7: https://doi.org
- Jacqueline R. Beggs, Eckehard G. Brockerhoff, Juan C. Corley, Marc Kenis, Maite Masciocchi, Franck Muller, Quentin Rome, Claire Villemant: Ecological effects and management of invasive alien Vespidae 15 February 2011 / Accepted: 10 June 2011
- https://www.bienenundnatur.de
- Australien, März 2025: https://www.dpi.nsw.gov.au