Archives März 2025

Großflächiger Einsatz von Bioziden zur Bekämpfung der Vespa velutina nigrithorax (Vvn): ein schweizerisches Modell wirft Fragen auf

Am 26.03.25 veröffentlichte das schweizerische Nachrichtenportal „Watson“ einen Artikel, der einige Fragen aufwirft.

Laut „Watson“ hat der schweizerische Bundesrat bewilligt, dass Kantone „unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmebewilligungen für den Biozid- Einsatz im Wald erteilen können“. Eine entsprechende Verordnungsänderung wurde vom zuständigen Umweltdepartement (Uvek) verschickt. Diese besagt, dass „Nester im Wald ab Herbst 2025 mit Bioziden bekämpft werden können“.

Primärnester, die laut „Watson“ besonders gehäuft im städtischen Bereich auftreten, durften und dürfen dort mit zugelassenen Bioziden behandelt werden. „Mit der Lockerung der Chemikalien- Risikoreduktions- Verordnung verfolgt der Bund das Ziel, dass sich im kommenden Jahr die Verbreitung der Asiatischen Hornisse verlangsamt“ (Zitat Watson Artikel). Ergänzt wird: „Die Bekämpfung mit Bioziden im Wald soll nur dann möglich sein, wenn keine mechanischen oder physikalischen Bekämpfungsmethoden eingesetzt werden können“. Weitere Maßnahmenoptionen sind dem Artikel von „Watson“ entnehmbar.

Link zum Artikel:

Asiatische Hornisse soll auch im Wald bekämpft werden können

Fragen:

Welche Biozide werden eingesetzt? Sind diese Biozide gefährlich für andere Tiere, Pflanzen oder Gewässer? Wird in dem Artikel nicht erläutert!

Werden die behandelten Nester anschließend entfernt? Oder bleiben sie vor Ort und kommen nach Nesttot mit dem lokalen Ökosystem in Kontakt. Wie lange dauert es, bis die Biozide sich in der Realität abbauen?

Was bedeutet ein großflächiger Einsatz von Bioziden in Städten? (Langzeitwirkung auf Flora, Fauna und Bevölkerung)
Was bedeutet ein großflächiger Einsatz von Bioziden im Wald? ( Langzeitwirkung auf Flora und Fauna)

Was bedeutet der Einsatz von Bioziden zur Bekämpfung von Vvn in Wechselwirkung mit anderen Bioziden zur Bekämpfung von anderen Arten?

Die Schweiz liefert gerade ein Lernbeispiel!

Vespa velutina nighrithorax (Vvn) in der Schweiz: beispielhafte Bekämpfung durch Bürger und Öffentlichkeitseinbindung

Am 25.03.25 wurde auf dem schweizerischen Nachrichtenportal „Watson“ ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dem Umgang mit der seit 2017 in der Schweiz nachgewiesenen Vvn beschäftigt. Link siehe auch Anhang. Es wird aufgezeigt, dass 57 Nester in den Kantonen Basel- Stadt und Basel- Land im Jahr 2024 erfolgreich gefunden und damit entfernt werden konnten, weil ein Großteil der Meldungen zu Sichtungen aus der Bevölkerung stammte. Dies zeigt deutlich auf, wie erfolgsversprechend und notwendig die Informierung und Einbindung der Bevölkerung mittels Öffentlichkeitsarbeit ist!

Bei der Nestsuche setzten die betroffenen Kantone auf den Einsatz von Radio- Telemetrie , einer Such- Methode, bei dem einzelne Tiere mit Peilsendern ausgestattet werden, um das Nest zu finden. Eine kostspielige, jedoch erfolgreiche, zeitsparende Methode der Nestsuche, die in der europäischen Zukunft zur Bekämpfung der Vvn noch stark ausbaufähig sein könnte.

Jedoch ist auch in der Schweiz die Suche per Telemetrie in Bebauungsgebieten nur eingeschränkt anwendbar, da zahlreiche Auflagen einen vollumfänglichen Einsatz oft verhindern – in Deutschland stehen wir vor dem gleichen Problem.
Nestsucher und Bekämpfer sind bei solchen Problematiken um so mehr auf die Mitwirkung aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger angewiesen. In Gebieten, in denen Telemetrie nicht angewendet werden darf, braucht es aufmerksame und meldende Menschen, die uns mit ihren Beobachtungen helfen!
Auch dies verdeutlicht, dass das besondere Augenmerk auf der „Ausbildung“ der Bevölkerung und der breitgestreuten Versorgung mit Informationen zur Vvn liegen muss! Das Maßnahmen- und Managementblatt nach Umstufung auf Artikel 19 setzt in Deutschland vorwiegend auf die Entfernung der noch gut zu erreichenden Primärnester, die in der Regel durch Zufall oder gut informierte Bürger gefunden werden.

Wenn Ihr ebenfalls Teil einer Bewegung werden möchtet, die Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen informiert, habt Ihr die Möglichkeit, bei uns diese Flyer zum Selbstkostenpreis zu bestellen.
Die Flyer könnt Ihr formlos direkt bei uns anfragen, wir geben sie aktuell in Papierform aus.

https://www.watson.ch/schweiz/tier/634757389-asiatische-hornisse-schweiz-so-
kannst-du-helfen-sie-zu-beseitigen

Die Umstellung der Vespa velutina nigrithorax (Vvn) von Paragraph 16 auf Paragraph 19

Im März 2025 wurde die Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax in der EU-Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 von Artikel 16 (Früherkennung und Beseitigung von Vorkommen in der frühen Phase der Invasion) auf Artikel 19 umgestuft. Das am 25.03.2025 veröffentlichte Management- und Maßnahmenblatt wurde durch die „Expertengruppe für den Vollzug der Regelungen zu IAS“ innerhalb des UAK „Vollzugsempfehlungen“ des ständigen Ausschusses „Arten- und Biotopschutz“ der LANA erarbeitet. Es führt vorhandene Erkenntnisse zusammen und vereinfacht so die Umsetzung von Managementmaßnahmen nach Art. 19 VO (EU) Nr. 1143/2014. Die weitere länderspezifische Priorisierung, Umsetzung und abschließende Festlegung der konkreten Maßnahmen obliegt dem jeweiligen Bundesland.“

Diese Umstufung hat wichtige Auswirkungen auf den rechtlichen Status und die Handhabung der Art in Deutschland und in anderen EU-Mitgliedstaaten.

Was bedeutet die Umstufung für uns?

Veränderte Maßnahmen zur Kontrolle und Bekämpfung:

Zuvor unterlag die Vvn den Regelungen des Artikel 16, der speziell auf die Früherkennung und schnelle Beseitigung von Vorkommen in den frühen Phasen der Invasion abzielte. Diese Maßnahmen waren darauf ausgelegt, die Ausbreitung der Art schnell zu stoppen, indem neue Nester frühzeitig erkannt und entfernt wurden.

Mit der Umstufung auf Artikel 19 liegt der Fokus nun mehr auf der Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Bevölkerung. Artikel 19 fordert, dass die Mitgliedstaaten ihre Bevölkerung umfassend über die Vvn und ihre potenziellen Gefahren informieren. Dies bedeutet, dass die Verantwortlichkeit für das Monitoring und die Bekämpfung nicht mehr ausschließlich auf den Behörden lastet, sondern auch ein stärkeres Augenmerk auf das Engagement und die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger gelegt wird.

Stärkung der Informationskampagnen:

Die Umstufung hebt hervor, dass es eine verstärkte Aufklärung der Öffentlichkeit geben muss, um das Bewusstsein für die Bedrohung durch die Vvn zu schärfen. Bürgerinnen und Bürger sollen verstärkt in die Früherkennung und Meldung von Vorkommen eingebunden werden.

Es werden verstärkt Sensibilisierungsmaßnahmen und Leitlinien zur Handhabung von Vvn-Hornissen-Nestern erwartet. Das bedeutet, dass sowohl Imker, Landwirte, und andere in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Berufsgruppen, sowie auch die allgemeine Bevölkerung besser informiert und geschult werden, wie sie mit dieser invasiven Art umgehen können.

Langfristige Strategien:

Da die Asiatische Hornisse nicht mehr nur als zu bekämpfende „frühe Invasion“ betrachtet wird, sondern als eine bereits etablierte invasive Art, könnte sich der rechtliche Rahmen für den Umgang mit ihr langfristig verändern. Zukünftig könnte es darum gehen, langfristige Strategien zur Populationserhaltung von einheimischen Arten, auch der Honigbiene, zu entwickeln und dabei die Vvn als Teil des ökologischen Managements zu berücksichtigen.

Fazit:
Die Umstufung der Asiatischen Hornisse in Artikel 19 bedeutet, dass ihre Bekämpfung und Kontrolle künftig nicht nur über die Früherkennung und schnelle Beseitigung erfolgen soll, sondern auch durch verstärkte Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Es wird erwartet, dass dies zu einem größeren Engagement der Bürgerinnen und Bürger führen wird, die in die Früherkennung und Meldung von Vorkommen einbezogen werden sollen. Langfristig könnten sich auch die Managementstrategien ändern, um mit der etablierten Präsenz dieser Art in Europa besser umzugehen.

Fakt ist, dass das Maßnahmenblatt lediglich eine „Empfehlungsanleitung“ darstellt, die viele Fragen aufwirft. Wie werden die einzelnen Bundesländer die Umsetzung gestalten, und was bedeutet das konkret in der Stadt / im Kreis vor Ort? Wird es eine bundeslandübergreifende Strategie geben oder macht das eine Bundesland sich in der Bekämpfung stark und das andere agiert gar nicht?

Am Beispiel LANUV – Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in NRW- lässt sich eine länderspezifische offizielle Information lesen
https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/arten/tiere/190771/massnahmen
https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/arten/tiere/190771/invasivitaet

Zum Maßnahmenblatt: MMB_AsiatischeHornisse_Endfassung_barrierefrei_20250311

Folgender Link siehe auch Veranstaltungen: 08.04.2025, NUA, in NRW informiert das LANUV NRW
https://www.nua.nrw/bildungsprogramm/detail/?event_id=132148

Anmerkung der Redaktion:

Das Wort „etabliert“ weckt bei Lesenden den Eindruck, dass es sich hier um die gelungene Integration einer Tierart im Ökosystem handelt, die hier ihren Platz gefunden hat und sich einfügt in ihre neue ökologischen Nische. Es wird darüber spekuliert, dass sie sich in einem Gleichgewicht einfinden wird, eine maximale Populationsdichte erreicht, und dann regelt die Natur das von selbst.
Ist das Wortverständnis denn eigentlich korrekt und die Annahme die für die Zukunft von Diversität und Gesundheit so wichtig ist mit fundierten Daten hinterlegt?

„Etabliert“ bedeutet in diesem Zusammenhang lediglich:

sie ist nicht mehr zur Gänze zu entfernen, d.h. die Ausrottung ist nicht gelungen, der Einzug nicht gestoppt. Von „gelungen eingesiedelt im lokal bestehenden Ökosystem“ kann bei Vvn keine Rede sein. Sie ist allein durch „menschliche Bewegung“ in biologisch gewachsene Bereiche eingewandert worden, die sich evolutionär nicht mit ihr zusammen entwickelt haben. Regional langzeitlich entwickelte „heimische Arten“ bauen anders, jagen anders und ernähren sich mengenmäßig anders. Je nach Lebensraum und klimatisch vorliegenden Bedingungen verfügen „Regionen“ über natürliche, langzeitig angepasste „Feinde“- Prädatoren, die auf natürliche Weise eine genetisch starke Art durch Jagd und Fraß dezimieren. Vvn ist nicht über den Klimawandel verbreitet, sondern wurde schlichtweg von Menschen verschifft und „getradet“- ein Paradebeispiel für „menschengemachten Biodiversitätswandel“!

Sie ist ein absoluter Generalist in der Habitats- Einnahme: Wohnort, Menge, Futterspektrum. Sie ist eine Meisterin der genetischen Verbreitung. SIe lernt mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit dazu.

Die Natur wird das regeln? die Frage ist, mit welcher Auswirkung.

Das bei der Bekämpfung eine Kosten Nutzen Abwägung stattfinden muss leuchtet ein, jedoch muss diese Abwägung bürokratisch klein gehalten werden.

Bezeichnend ist der Satz aus dem Management- und Maßnahmenblatt: „Eine Bekämpfung der Asiatischen Hornisse aus Gründen der Gesundheitsvorsorge oder der Abwendung von wirtschaftlichen Schäden fällt nicht in die Zuständigkeit der Naturschutzbehörden, dabei können jedoch die in diesem
Management- und Maßnahmenblatt aufgeführten Maßnahmen Berücksichtigung
finden.“ Bleibt also eine Bekämpfung aus Gründen zur Erhaltung der Biodiversität. Auch hier wird die Argumentation schwierig, denn ebenfalls wird aufgeführt: „Es gibt bisher keine ausreichenden Belege für eine Beeinträchtigung der Biodiversität in Europa. Dies wäre aber bei erhöhtem Konkurrenzdruck auf heimische Arten durch sehr hohe Abundanzen denkbar (CARISIO et al. 2022). Eine daraus resultierende
Auswirkung auf die Bestäubung (ROJAS-NOSSA 2020, 2023) ist ebenfalls noch nicht
eindeutig geklärt. Es besteht weiterer Forschungsbedarf.“ Ob hierzu Studien in Auftrag gegeben werden, ist unbekannt.

Durch das Verbannen von Imkern aus Naturschutzgebieten, stellt sich die Frage, von wem in diesen Gebieten ein Monitoring betrieben werden soll.

Wir werden die Liste der Links die sich mit diesem Thema beschäftigen fortlaufend ergänzen, schaut ab und an hier rein.

Lest hierzu auch:

https://deutscherimkerbund.de/die-asiatische-hornisse-ein-gesellschaftliches-problem

Monitoring an Trachtpflanzen

Eine gute Möglichkeit, die asiatische Hornisse zu beobachten und ihre Verbreitung zu verfolgen, stellen Trachtpflanzen dar. Zum jetzigen Zeitpunkt (März) ist die Mahonie (laut Thomas Beissel) unter besondere Beobachtung zu nehmen, sie bietet eine gute Nahrungsquelle für die Königinnen, die um diese Jahreszeit mit der Nestgründung beginnen.

Thomas Beissel hat zum Zwecke des Monitorings an Trachtpflanzen einen Blühkalender mit für Vespa velutina nigrithorax interessanten Nektarquellen erstellt.

Hier geht es zum Blühkalender

https://www.velutina-service.com

Vespa velutina nigrithorax: per Anhalter durch die Welt

Seit Jahrzehnten ist, bedingt durch den zunehmenden globalen Handel, eine stark ansteigende Ausbreitung zahlreicher Pflanzen- und Tierarten weltweit zu verzeichnen. Die Verbreitung der Arten erfolgt zumeist durch „menschliche Bewegung“. Es gibt Beispiele, die verdeutlichen, dass menschliche Bewegung schon in der weit zurückreichenden Vergangenheit einen nachhaltigen Einfluss auf die Verbreitung von Tierarten hatte. Ein sehr frühes Beispiel ist die Verschleppung von Hunden und Ratten nach Neuseeland um 1300. Die älteste dokumentierte Invasion einer Tierart ist die Verbreitung europäischer Kaninchen auf den Balearen im 1. Jh. vor Chr.

Aus der Gruppe der Hautflügler sind zahlreiche Arten als Invasoren bekannt. Besonders aus der Gruppe der Faltenwespen (Vespidae) sind 34 Arten bekannt, die durch menschlichen Handel verschleppt wurden. 7 der besonders invasiven Arten sind „eusozial“ (besondere Form des Sozialverhaltens innerhalb einer Gruppe). Als Beispiele sind hier die Verbreitung der Vespa vulgaris in Neuseeland zu nennen, oder Vespa pensylvanica, die in den 70iger Jahren auf Hawai durch die Einschiffung von Weihnachtsbäumen eintraf.

Die Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax ist sehr wahrscheinlich bereits im im Jahr 2003 in Europa angekommen. Ein Bonsai- Züchter aus Sainte- Livrade-sur- Lot (Départment Lot- et- Garonne) in Frankreich bemerkte im Sommer 2004 „auffallend dunkle“ Hornissen. Er erkannte die Art, die ihm auf einer Reise nach China aufgefallen war, wieder. Im Herbst 2004 entdeckte er nach dem Laubfall zwei kugelförmige Nester in Bäumen seiner Nachbarschaft und zerstörte sie mit einer Schrotflinte. Als er sie 2005 wieder fliegen sah, fing er ein Exemplar ein und schickte es 2006 an einen Spezialisten, der die Identifizierung bestätigte. Laut dem Bonsai-Produzenten könnte diese Asiatische Hornisse in den Kisten mit chinesischer Keramik eingeschleppt worden sein, die er seit mehreren Jahren regelmäßig aus Yunnan importierte. Da der Schiffstransport nur einen Monat dauerte, wäre das Überleben der befruchteten Weibchen in den Kisten problemlos möglich gewesen, wenn die Verschiffung während der Winterperiode erfolgt wäre. (aus: Villemant et al. 2006)

„Angesichts der potenziell hohen Kosten, die mit der Invasion der Gelbbeinhornisse für Waren und Dienstleistungen verbunden sind, und angesichts der Schwierigkeiten und Kosten, die ihre Bekämpfung nach einer erfolgreichen Etablierung mit sich bringen kann, dürfte die Verhinderung der Einführung der Art in neue Länder wahrscheinlich weniger kostspielig sein. Wir empfehlen daher, Überwachungsbemühungen auf Gebiete auszurichten, die als klimatisch geeignet eingeschätzt werden, insbesondere auf Inseln wie Großbritannien und Japan (Robinet et al. 2016). Wenn die Gelbbeinhornisse in Großbritannien tatsächlich nur ein paar Mal beobachtet wurde, ist eine schnelle landesweite Kolonisierung sogar von einem einzigen invasiven Standort aus möglich (Keeling et al. 2017), und die Bekämpfung wäre weniger kosteneffektiv als die Invasionsprävention für andere Regionen des Landes…

…Darüber hinaus wurden in der Nähe von Frachtbereichen von Bahnhöfen, Häfen und Flughäfen verschiedene Nachweise in neuen Gebieten durchgeführt (z. Güterbahnhof in einem nördlichen Vorort von Paris im Jahr 2009 und Flughafen im Jahr 2011, in der Nähe des Hafens von Viana do Castelo, Portugal im Jahr 2011, Hafen von Burela in Galicien, Spanien 2012, in der Nähe des Hafens von Bristol, Großbritannien im Jahr 2016), was darauf schließen lässt, dass der kommerzielle Transport auch eine bedeutende Rolle bei der Fernverbreitung und vor allem bei der Schaffung neuer Verbreitungsgebiete spielt und seine Auswirkungen auf die Verbreitung der invasiven Hornisse nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Überwachungsbemühungen sollten sich daher stark auf Kreuzungspunkte für kommerziellen und menschlichen Transport konzentrieren. Andere Länder wie die USA, Australien, die Türkei und Argentinien scheinen klimatisch für die Art geeignet zu sein, auch wenn die Gelbbeinhornisse dort noch nicht beobachtet wurde. Angesichts ihrer Entfernung zum ursprünglichen und derzeit invasiven Verbreitungsgebiet der Art ist es unwahrscheinlich, dass sich die Art in diesen Ländern von selbst ausbreitet.“ (Salle 2020)

Anmerkung der Redaktion: aus persönlichen Gesprächen mit türkischen Imkern ist bekannt, dass Vvn in dem Gebiet um Troya (Tevfikiye) seit 2023 auftritt. Auch in den USA (Savannah/ Georgia) ist Vvn seit 2023 gemeldet. Über Vorkommen in Australien und Argentinien liegen noch keine Daten vor.

 

  • Claire Villemant et al.: Premier bilan de l’invasion de Vespa velutina Lepeletier en France (Hymenoptera, Vespidae). Bulletin de la Société entomologique de France. 2006. S. 535-538.
  • Christelle Robinet et al. 2016: Rapid spread of the invasive yellow-legged hornet in France: The role of human-mediated dispersal and the effects of control measures
  • Jean- Michelle Salle (2020): The economic cost of control oft he invasive yellow-legged Asian hornet, https://www.researchgate.net
  • Keeling MJ, Franklin DN, Datta S, Brown MA, Budge GE (2017): Predicting the spread of the Asian hornet (Vespa velutina) following its incursion into Great Britain. Scientific Reports 7: https://doi.org
  • Jacqueline R. Beggs, Eckehard G. Brockerhoff, Juan C. Corley, Marc Kenis, Maite Masciocchi, Franck Muller, Quentin Rome, Claire Villemant: Ecological effects   and management of invasive alien Vespidae 15 February 2011 / Accepted: 10 June 2011
  • https://www.bienenundnatur.de
  • Australien, März 2025: https://www.dpi.nsw.gov.au

Rubrik Veranstaltungen: schaut mal rein

Regelmäßig werden zu Themen die Vespa velutina nigrithorax betreffend Veranstaltungen im ganzen Land durchgeführt. Seminare, Schulungen, Fachtagungen, Onlinekurse, Austausch – Fachleute treffen Interessierte, relevante Informationen erreichen immer größere Kreise. Das war nicht immer so und baut sich erfreulicher Weise aus. Wenn wir davon Kenntnis haben, stellen wir die Information zum Termin gerne zur Verfügung.
Ebenfalls weisen wir gerne auf Veranstaltungen hin bezüglich Wespen und Hornissenberatungsausbildung. Die Inhalte bringen einen wertvollen Wissensaufbau über Arten, Lebensweisen, deren Bedeutung für die Natur und den nicht unerheblichen Einfluss, den der Mensch darauf nimmt. Denn der Mensch schützt oft nur was erkennt. Oder?

Auch die Velutina-Army Redaktion besucht regelmässig Vorträge. Gestern am 22.03.2025 fand sich der NRW-Teil der Redaktion in NRW / Lindlar ein. Beim BZV Bechen und BZV Bergisch Gladbach war Referent Hans-Jörg Schreyer vom Landesverband Saarländischer Imker zu Gast. Zielgruppen waren Imker, Feuerwehrangehörige, Schädlingsbekämpfer, Dachdecker, Naturschutzverbände und am Naturschutz Interessierte. Themen wie „Biologie und Besonderheiten der Vespa Velutina“, „Schadpotentiale“, „Nestsuche und fachgerechte Entfernung von Nestern“ und den für Imker besonders wichtigen Punkt „Effektiver Schutz von Bienenvölkern“ sowie den „Arbeitsschutz – Umgang mit Gefahrstoffen“ wiesen die Anwesenden ins Thema ein. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, der Saal voll mit interessierten Menschen.

Andere Redaktionsmitglieder besuchen Wespen- und Hornissenseminare, um sich immer wieder mit aktuellen Informationen und dem neusten Wissenstand zu versorgen und sich dort auch zu vernetzen.

Und weitere Redaktionsmitglieder halten selbst Vorträge.

Ihr seht, es herrscht Aktion – und so soll es ein.

Schaut ab und an mal rein in unserer Rubrik Veranstaltungen, denn diese erscheinen nicht im Newsletter.

Bleibt neugierig !

Deutscher Imkerbund e.V. : Die Asiatische Hornisse – ein gesellschaftliches Problem

Spätestens mit der Öffentlichkeitsbeteiligung in Deutschland zur anstehenden möglichen Herabstufung der Vespa velutina nigrithorax (Vvn) von Artikel 16 auf Artikel 19 der Verordnung (EU) Nr.1143/2014 haben verschiedene Akteure die Bedeutung einer Umstufung durchleuchtet – auch mit Blick über die Ländergrenzen hinaus in die Länder, in denen Vvn bereits länger aktiv an der Umweltsituation teilnimmt.

Die Rolle der einzelnen Akteure wie z.b. Behörden, Vereinen und Verbände, Schädlingsbekämpfer, Landwirte, Imker/innen und Naturschutzverantwortliche werden neu verteilt und Aufgaben zugeschrieben.

Doch wird dabei die Aufgabe sich mit Vvn auseinander zu setzen zukünftig nur Einzelnen zugeschrieben, oder ist der Einfluss von Vvn bereichsübergreifend und betrifft in der Gesellschaft jede/n ?
Werden ganze Berufsstände nicht mit einbezogen, die in ihrem täglichen Arbeitsfeld in direkten Kontakt mit dem Neueinwanderer kommen werden und einen Umgang damit entwickeln müssen?
Welche Rolle nehmen zukünftig die Behörden gerade ganz lokal vor Ort ein?

Anders als erwartet ist die Umstufung nicht bereits zum 01.01.2025 wirksam geworden. Der zugehörige Managementplan ist noch in Bearbeitung.
Wir tragen Stellungnahmen zusammen und informieren, sobald sich die neue Einordnung konkretisiert.

Hier findet Ihr den Link zur aktuellen Stellungnahme DIB vom 10.03.2025 zur Vvn.

https://deutscherimkerbund.de/die-asiatische-hornisse-ein-gesellschaftliches-problem

Bildergalerie Embryonal- und Primärnester

März – je nach Temperatur sind die ersten Vvn Königinnen bereits aktiv und beginnen mit dem Bau von Embryonalnestern.
Was musst Du dazu wissen?
* Identifikation eines Embryonalnestes ist nur mit ansitzendem Tier einwandfrei möglich – alle Faltenwespen beginnen ihr Nest ähnlich
* (zufällig oder absichtlich) gefundene Embryonalnester hängen lassen -> Königinnen bekämpfen sich gegenseitig (Usurpation) – es wurden tw. bis zu 17 tote Königinnen unter einem Embryonalnest gefunden – wir lassen also die Natur für uns arbeiten 😉
* Entwicklung des Nestes weiterhin beobachten
* wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, kann es bedenkenlos entfernt werden

Unterscheidung von anderen Wespen- und Hornissenarten

Am häufigsten wird die Asiatische Hornisse, Vespa velutina nigrithorax (Vvn), mit der einheimischen, europäischen Hornisse, Vespa crabro (Vc), verwechselt. Besonders im Vorbeiflug sind die beiden Arten schwer voneinander zu unterscheiden. Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch einige markante Unterscheidungsmerkmale. 

Als Faustregel gilt:

  • Vvn ist etwas kleiner als Vc
  • Vvn ist schlanker als Vc
  • Vvn hat leuchtend gelbe Beine („bis zum Knie“), Vc hat durchgehend braune Beine
  • Vvn besitzt einen durchgehend schwarzen Brustbereich (Thorax), der Thorax von Vc ist schwarz mit braunen Bereichen
  • Der Kopf von Vvn ist auf der Oberseite schwarz, das Gesicht orange. Kopf/ Gesicht von Vc ist gelb mit brauner „Maske“
  • Der Hinterleib (Abdomen) von Vvn ist schwarz mit schmalem, gelben Band und v-förmiger gelblich- orangener Markierung. Das Abdomen von Vc hat leuchtend gelbe und braune Markierungen
  • Vvn fliegt nicht nachts, dafür bei Regen, die Vc ist auch nachtaktiv und fliegt bei Dunkelheit künstliche Lichtquellen an
  • Vvn kann im Gegensatz zu Vc rückwärts fliegen und in der Luft stehen (ähnlich einem Helikopter)

Von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Institut für Bienenkunde und Imkerei (Veitshöchheim [2023]) kann jeder dieses Bestimmungskärtchen ordern, ausdrucken usw. Es dient v.a. zum Verteilen in der Bevölkerung zur Minimierung von Falschmeldungen. Bestimmungskärtchen Vespa velutina.

Die Ausbreitung von Vvn: Muster, Geschwindigkeit und Strategien

Viele Länder beschäftigen sich wissenschaftlich mit Muster, Geschwindigkeit und Strategien in der Ausbreitung von Vvn.  Länderübergreifend werden sehr unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Dies ist auf die vielseitigen Einflussfaktoren zurückzuführen, die die Ausbreitung bestimmen. Im Folgenden werden die wesentlichen Verbreitungsmerkmale beschrieben.

Wie verbreitet sich Vespa velutina nigrithorax?

Es gibt drei Muster der Verbreitungsausweitung in Bezug auf den Zeitverlauf:

  • linear: Ausbreitung erfolgt mit einer Konstanten (Andow et al. 1990) 
  • zweiphasig (mit einer anfänglich flachen Steigung, gefolgt von einer steilen linearen Steigung)
  • mit der Zeit beschleunigend, wobei schnell die Sättigungsphase erreicht wird (Shigesada et al. 1995)

Die drei Verbreitungsmuster erfolgen entweder durch:

  • Diffusion: selbstvermittelte Ausbreitung von einem anfänglichen Standort (Lockwood et al. 2007)
  • Sprungverbreitung: durch sprunghafte Ausbreitung in Regionen, die relativ weit vom Kernverbreitungsgebiet entfernt sind, ohne die dazwischen liegenden Regionen zu besiedeln, was zur Gründung von weiter entfernten Kolonien führt= Bildung von „Aussenposten“. (Suarez et al. 2001)
  • Wenn sich Außenposten in ökologisch geeigneten Gebieten etablieren, kann die Art den Ausbreitungsprozess von dort aus fortsetzen und ihn beschleunigen.
  • Wenn sich eine Art durch beide Prozesse (natürliche Diffusion und Sprungverbreitung) ausbreitet, kommt es zu geschichteter Diffusion (Hengeveld 1989; Suarez et al. 2001). Bei einem solchen Prozess erfolgt die anfängliche Verbreitung hauptsächlich durch Diffusion, aber wenn sich das Gebiet der Gründerpopulation ausdehnt, beschleunigen neue Nester, die durch Fernereignisse geschaffen wurden, die Verbreitung in späteren Phasen. (Shigesada et al. 1995)

„Die Verbreitung von V. velutina in Europa wird als ein geschichteter Diffusionsprozess angesehen, der eine Mischung aus natürlicher Diffusion und Sprungverbreitungsereignissen umfasst (Bertolino et al. 2016; Robinet et al. 2017; Lioy et al. 2019). Die Sprungverbreitung kann durch zwei verschiedene Prozesse erfolgen: Selbstverbreitung von Gynen (Königinnen der nächsten Generation), die in der Lage sind, aus eigener Kraft weite Strecken zu fliegen (18 km/Tag in Flugmühlenexperimenten – pers. Mitteilung, Dr. D. Sauvard, INRA, Frankreich an die Autoren von Robinet et al. 2017) oder durch vom Menschen vermittelte Verbreitung (Robinet et al. 2019).“ (Verdasca 2021)

Einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung von neuen Kolonien haben folgende Faktoren:

  • klimatische Faktoren: Niederschlag und Temperatur
  • landschaftliche Faktoren: geologische Beschaffenheit/ Topografie (Flachland, Berge, Buschland)
  • anthropogenen Variablen einer Region. Mit antropogenen Variablen sind Umweltveränderungen gemeint, die direkt oder indirekt vom Menschen verursacht oder beeinflusst werden (Beispiele: landwirtschaftliche Feldernutzung, Verkehrsnetze). In der Studie von Verdasca et al. (2021) hat sich gezeigt, dass Autobahnen und landwirtschaftlich genutzte Flächen wichtige antropogene Variablen in der Ausbreitung von Vvn sind.

Die gesamte Ausbreitungsgeschwindigkeit der Vvn ist den genannten Faktoren abhängig.

Ausbreitungsgeschwindigkeit, Länderbeispiele:

Portugal Westen/ Küste nach Süden: 45 Km/Jahr, Portugal Osten: 20 Km/Jahr (Verdasca 2021)

jährliche durchschnittliche Ausbreitungsrate in Italien = 18,3 ± 3,3 km (Bertolino et al. (2016)

Jährliche Verbreitungsrate in Frankreich: 78 Km (Robinet et al. (2017)

Quellen:

  • M. Verdasca, H. Rebelo, L. G. Carvalheiro, R. Rebelo (2021): Invasive hornets on the road: motorway-driven dispersal must be considered in management plans of Vespa velutina, https://neobiota.pensoft.net  
  • D. Andow, P. Kareiva, S. Levin, A. Okubo (1990): Spread of invading organisms. Landscape Ecology 4: 177–188.
    https://www.researchgate.net
  • N. Shigesada, K. Kawasaki , Y. Takeda (1995): Modeling Stratified Diffusion in Biological Invasions. The American Naturalist 146: 229–251.
    https://www.journals.uchio.edu
  • JJL. Lockwood, MFM Hoopes, MPM Marchetti (2007): Invasion ecology. Blackwell Publishing, Malden, 313 pp. 
    https://books.google.de
  • A. Suarez, DA Holway, TJ. Case (2001): Patterns of spread in biological invasions dominated by long-distance jump dispersal: Insights from Argentine ants. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 98: 1095–1100.
    https://doi.org
  • B. Hengeveld (1989): Dynamics of biological invasions. Chapman & Hall, London. 
    https://books.google.de
  • S. Bertolino, S. Lioy, D. Laurino, A. Manino, M. Porporato (2016): Spread of the invasive yellowlegged hornet Vespa velutina (Hymenoptera: Vespidae) in Italy. Applied Entomology and Zoology 51: 589–597.
    https://doi.org
  • C. Robinet, C. Suppo, E. Darrouzet (2017): Rapid spread of the invasive yellow-legged hornet in France: the role of human-mediated dispersal and the effects of control measures. Journal of Applied Ecology 54: 205–215. https://doi.org
  • C. Robinet, E. Darrouzet, C. Suppo (2019): Spread modelling: a suitable tool to explore the role of human-mediated dispersal in the range expansion of the yellow-legged hornet in Europe. International Journal of Pest Management 65: 258–267. https://www.researchgate.net
  • S. Lioy, A. Manino, M. Porporato, D. Laurino, A. Romano, M. Capello, S. Bertolino (2019): Establishing surveillance areas for tackling the invasion of Vespa velutina in outbreaks and over the border of its expanding range. NeoBiota 46: 51–69. https://neobiota.pensoft.net