Ergebnisse des Fallenexperiments Universität Hohenheim

Studie & Ergebnisse des Fallen-Experiments findest Du HIER
Landesanstalt für Bienenkunde
Erna-Hruschka-Weg 6
70599 Stuttgart
 
Mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde wurden Fallen der Firma Bee Vital und Wagner auf Selektivität getestet.
Fazit: an der Selektivität muss noch nachgearbeitet werden. Eine zeitlich begrenzte Nutzung der Fallen im frühen Frühjahr und im späten Herbst ist zu überlegen, da unsere heimischen geschützten Insekten dann noch nicht oder nicht mehr fliegen.

Die Stellungnahme zu dem Feldversuch zu Velutina-Fallen vom Landesverband Badischer Imker findet ihr hier:
https://badische-imker.de/fileadmin/files/imker/Vespa_velutina/Fallen_-_Stellungnahme_03_2024.pdf

 
Bitte beachten Sie:
Gemäß den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes (BNatSchG § 44 Absatz 1 Nr. 1 und § 4 Absatz 1 Satz 1 BArtSchVO) ist es untersagt, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten, wie die Europäische Hornisse Vespa Crabro, zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Das Aufstellen der Fallen stellt demnach einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz dar.
 
 
 

Hier findet ihr die Link zu beiden Anbietern:

Imkertechnik Wagner

Bee Vital

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) suchen und finden

Eine tolle Anleitung zur Nestsuche im Vortrag von Christoph Altmeier im Gespräch mit Ludger Merkens und Ralf Sester, „Montagsimker“

Vespa Velutina – Suchen und Finden – Imkern – Live übertragen am 04.03.2024 (Dauer: 01:53:57)

Vespa Velutina nigrithorax (Vvn) ist jetzt seit mehr als drei Jahren im Saarland nachgewiesen. Der Druck auf die Imkerei steigt. Aber es gibt auch erste Erfahrungen, wie man ihre Nester findet und wie man Bienenvölker gegen diesen neuen Insektenräuber schützen kann. Christoph Altmeyer ist im Landesverband Saarländischer Imker einer der beiden Ansprechpartner im Bereich Bienengesundheit für die Vespa Velutina und gibt uns einen Einblick in die Techniken, die sie in den letzten Jahren entwickelt haben. Beim Landesverband Saarländischer Imker findet ihr Detailinformationen zu:

  • Anleitung und Berichte zur Dochtglasmethode
  • Biozyklus Vespa velutina
  • Tipps zur Vorbeugung gegen Schäden an Bienenvölkern im Spätsommer

Auf der Seite des Imkerverein Merzig finden sich Informationen zu:

  • Doppelkreismethode
  • Einsatz von Wärmebildkameras zur Suche von Vespa velutina Nestern

Meldeportal für Vespa velutina Funde im Saarland: https://www.velutina-saar.de/
Portal Asiatische Hornisse in NRW: https://vespa-velutina.nrw/

Sichtungen von Vespa velutina sind meldepflichtig. Für die Bekämpfung sind die Umweltämter der Städte und Unteren Landschaftsbehörden der Kreise zuständig. Um eine Meldung verifizieren und bearbeiten zu können, brauchen die Biologen, Imker, Wespen- und Hornissenberater ein Foto und eine genaue Beschreibung des Fundortes.
Imkerforum – Thread Vespa velutina: https://www.imkerforum.de/forum/threa…

Königin, Arbeiterin & Drohn

Wie unterscheidet man die einzelnen Tiere voneinander?

Die optischen Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Wesen bei Vespa velutina nigrithorax sind schwer wahrzunehmen. Es braucht viel Übung die drei Wesen zu unterscheiden. Je nach Region und Entwicklungsstadium der Kolonie sind Königin und Arbeiterin nur über die Ermittlung des Gewichtes unterscheidbar. Und auch das Gewicht der Tiere ist extrem abhängig vom Nahrungsangebot.
Pauschal lässt sich folgendes festhalten:

Königin:

  • besitzt einen Stachel
  • besitzt einen Fettkörper (im Hinterleib) – teils nur durch sezieren nachweisbar
  • Größe bis zu 3 cm
  • Flügelabstand am Rücken ist in der Regel größer als bei Arbeiterinnen. Breite des Mesoskutum bei Königinnen: 4,5 mm
  • Hinterleib meist länger als Flügel
  • Altköniginnen haben gegen Ende der Saison oft keine Flügel mehr

Arbeiterin:

  • besitzt einen Stachel
  • kleiner als Königin (aber ähnliche Größe wie unbegattete Jungköniginnen): bis zu 2,5 cm
  • erste Generation Arbeiterinnen sind meist deutlich kleiner (da sie anfangs einzig von der Königin ernährt werden), Folgegenerationen nehmen sichtlich an Größe zu

Drohn:

  • besitzt keinen Stachel
  • deutlich längere Fühler
  • Unterseite Hinterleib: zwei gelbe Punkte statt einem Stachelansatz
  • Größe bis zu 2,5 cm

 

Nest entdeckt – was ist zu tun?

Allgemeine Sicherheitshinweise:
Bitte versucht nicht, das Nest „mal eben schnell“ selbst zu entfernen. Die Vespa velutina nigrithorax (Vvn) zeigt sich in Nestnähe äußert aggressiv, verteidigt das Nest lang anhaltend mit einer Vielzahl von angreifenden Tieren.

Was ist zu tun?

  • Einzeltiere sind meist nicht aggressiv
  • bitte beobachte die Flugtiere mit Abstand
  • fotografiere das Nest – am besten mit aufsitzenden Tieren
  • melde die Sichtung über das entsprechende Meldeportal der Bundesländer
  • Nochmal: versuche AUF GAR KEINEN FALL das Nest eigenständig zu entfernen!
  • Hinweis für Imker: ein einfacher Imkeranzug bietet KEINEN ausreichenden Schutz bei der Näherung an ein Nest

Im Video unten von Thomas Beissel befindet sich nur eine Kamera im Raum und es wurde lediglich 1x an den Balken geschlagen. Es ist niemand im Raum der Wärme oder CO2 abgibt oder wild um sich schlägt.
Das Nest ist ein verhältnismäßig kleines Primärnest mit einer geringen Anzahl Tiere:

 

Video von Yvonne Ilk zu Aggressivität am Nest – es ist ein Sekundärnest mit einer großen Anzahl Tiere.

Kennzeichnen der Tiere

Um Nester der Asiatischen Hornisse Vespa velutina nigrithorax (Vvn), zu suchen und zu finden, müssen die Tiere, die man auf Futterquellen entdeckt oder bereits auf Locktöpfe/Dochttöpfe konditioniert hat, markiert werden. Mit den markierten Tieren kann man dann Flugrichtungen und Flugzeiten bestimmen. Zum Markieren eignen sich Markierstifte, wie man sie auch für die Zeichnung von Honigbienen-königinnen verwendet. Gefangen wird das Tier mit Netz oder Schleier und wird dann in ein Zeichenröhrchen (für Honigbienen), o.ä. überführt. Man kann die Vvn auch durch den Schleier markieren, wenn man keinen Kescher und/ oder Zeichengeräte dabei hat. Lies hierzu auch gern den Beitrag zur Triangulation.


Grundausstattung Kennzeichnen und Suchen:

  • Dochttopf/ Dochttopf 
  • Kescher oder Schleier zum Abfangen
  • Zeichengeräte: Fang- Clip/ Clip- Fänger, Röhrchen zum Markieren von Bienenköniginnen
  • Markierstifte ( Im Imkereibedarf erhältlich)
  • Kompass
  • Fernglas
  • Stoppuhr
  • Notizblock/ Handy

Vvn Grundausrüstung Nestsuche©:Foto: (freigegeben für die Velutina Army) Jutta Kalff
Vvn Grundausrüstung Nestsuche

Erfahrungsberichte:

Es wurde nachgewiesen, dass Hornissen, deren Abdomen kleine Markierungen (z. B. Punkte) aufweisen, schneller und zuverlässiger zurückkehren als solche, deren Markierungen groß und dick aufgebracht sind.

Beispiel: Tiere mit kleinen Punkten kamen gleichzeitig, während eine dick markierte Hornisse erst nach der doppelten bis dreifachen Zeit zurückkehrte.(Quelle: WAG-VAH, A. Häußler-Wellenreuther, 04.11.2024)

Biologie und Lebenszyklus

Allgemeines zur Biologie und dem Lebenszyklus der Asiatischen Hornisse Vespa velutina nigrithorax (Vvn)

©:CC BY-SA Julia Marfisi
Grafik von Julia Marfisi: Entwicklung im Jahresverlauf der Vespa velutina nigrithorax [Interne Quelle: 08.12.2024, WAG-VAH, Miri]

Die asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax (de Buysson 1905): Lebenszyklus

Der Zyklus einer Kolonie der Vespa velutina nigrithorax  beginnt im frühen Frühjahr (Februar- April) mit dem Baubeginn eines ersten Nestes durch eine junge Königin und endet (spätestens) im Dezember mit dem Absterben der gesamten Kolonie. Die vorherrschenden klimatischen Bedingungen einer Region haben einen starken Einfluss auf den Baubeginn, die Nestentwicklung und den gesamten Lebenszyklus der Kolonie.  Zusammengefasst dauert es etwa 50 Tage, bis eine Arbeiterin der Vvn sich vom Ei zum ausgewachsenen Insekt entwickelt. Mit steigenden Temperaturen und einer zunehmenden Menge an Brut versorgender Tiere verkürzen sich die einzelnen Entwicklungsphasen.

Entwicklungsstadien der Brut (nach Dong & Wang, 1989):

  • Ei: Die Eier haben eine Entwicklungszeit von etwa 9-15 Tagen
  • Larve: Nach dem Schlüpfen durchlaufen die Larven innerhalb von 10-18 Tagen fünf Stadien mit 4 Häutungen
  • Puppe: Das Puppenstadium dauert etwa 15-20 Tage und ist stark temperaturabhängig
  • Drohnen: Drohnen schlüpfen ca. 15 Tage vor dem Schlupf der Jungköniginnen

Zu Beginn des Zyklus kann man nicht wirklich von „Kolonie“ sprechen, da sich die Königin allein um Nestbau, Versorgung der ersten Brut und ihre eigene Ernährung kümmern muss. Die aus dem Winterschlaf kommende, ausgezehrte Königin ernährt sich zunächst von Nektar und anderen Pflanzensäften, bis später die Larven ihre weitere, aminosäure- und proteinreiche, Ernährung mittels Speichelabgabe (Trophyllaxis) übernehmen.

Mit dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen beginnt der eigentliche Lebenszyklus der Kolonie, die sich nun stetig entwickelt und wächst. Mit dem Anstieg der schlüpfenden Tiere verändert sich die Struktur des Nestes und die Lebensqualität der Tiere. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate ist Gewichtszunahme bei den erwachsenen weiblichen Tieren nachweisbar (Rome et. al., 2015). Das Nest verändert sich in Struktur und Größe, da die vertikalen, zunächst wenige Zellen umfassenden Waben, erweitert und weitere Waben unten angebaut werden. Dafür wird Nesthülle im Innenbereich abgetragen  und außen neu verbaut. Die Nähe von verfügbarem Wasser ist elementar im Nestbau und der Nestpflege während der wärmer werdenden Monate. Die Hülle muss permanent erweitert und gekühlt werden.

In einem „gesunden“ Kolonieverlauf schlüpfen zunächst zahlreiche Arbeiterinnen, die sich um unterschiedliche Aufgabenbereiche kümmern. Die Nahrungsbeschaffung für die stetig anwachsende Zahl an bald schlüpfender Larven nimmt zu, sie ist in der Regel an das in der Natur vorherrschende Nahrungsangebot angepasst. Die Larven werden zunehmend proteinreicher ernährt, bedingt durch das natürlich steigende Nahrungsangebot – Wetter und Wachstum aller als Nahrungsspektrum bevorzugter Insektenarten.

Auf dem Jagdplan der Arbeiterinnen stehen Honigbienen, Wildbienen, Falter, Fliegen und andere Insekten. Die Beute wird außerhalb des Nestes zerlegt und nur die „Filetstücke“, die proteinreiche Brust- und Flügelmuskulatur, werden an die Larven verfüttert. Die Arbeiterinnen selbst fressen diese Beute nicht. Sie (ebenso wie die Königin) werden von Larven des 5. Stadiums durch „Wiederkäuen“ der erbeuteten Nahrung plus Speichelzugabe ernährt: Die Larven „erbrechen“ einen aminosäure- und proteinreichen Speichel, von dem sich die Arbeiterinnen und die Königin ernähren.

Bei Anwesenheit einer gesunden Königin entwickelt sich die Kolonie zunächst „weiblich“. Sind in einer frühen Periode des Nestes Drohnen vorhanden, ist das Volk „drohnenbrütig“ (entweder durch eierlegende Arbeiterinnen oder eine fehl- oder nicht ausreichend begattete Königin). 

Zum späten Sommer/Beginn des Herbstes werden die ersten Drohnen erbrütet, danach junge Königinnen. Ende September bis Mitte Oktober (je nach Wetter und Region) beginnt der Auszug der Drohnen und Jungköniginnen für die Paarung. Jede Kolonie hat ihren eigenen „sexual swarming peak“(Perrard et. al. 2009). Nach den Paarungen wird Nestaktivität noch weitergeführt bis in den Dezember hinein. Aber die Anzahl der Arbeiterinnen nimmt schnell und stetig ab und aufgrund schwindender Insektenvorkommen können Larven nicht mehr weiter versorgt werden. Es gibt Nester, in denen noch im Dezember Jungköniginnen nachweisbar sind.  Sie sind unfruchtbar (Perrard et.al. 2009). 

Herkunft und Verbreitung

Allgemeines zur Herkunft und Verbreitung der Asiatischen Hornisse Vespa velutina nigrithorax (Vvn)

Vespa velutina umfasst eine Gruppe von Hornissenarten der Vespa-bicolor-Artengruppe, die ursprünglich im asiatischen Raum beheimatet sind. Innerhalb dieser Artengruppe lassen sich 12 Untergruppen zusammenfassen, die ausschließlich über ihre farblichen Merkmale unterschieden und systematisch gruppiert werden (Taxonomie). Vespa velutina nigrithorax wurde 1905 nach dem französischen Entomologen und Naturforscher Robert François du Buysson taxonomiert.

Der ursprüngliche Lebensraum der Vespa-velutina-Gruppe umfasst den Süden Chinas, Taiwan, den Osten Indiens entlang des Westrandes des Himalayas, Randgebiete Pakistans und Afghanistans sowie die Gebiete Malaysia, Sumatra, Vietnam und Thailand und die Inselgebiete Indonesiens.

Über Transport- und Handelswege findet seit Jahrzehnten eine stark zunehmende Ausbreitung der Velutina-Gruppe weltweit statt.

Grafik Quelle: https://frelonasiatique.mnhn.fr/

Quelle & Details nachzulesen hier: Naturschutzakademie Hessen – Reiner Jahn